SAP: Russland-Rückzug belastet Geschäft – Softwarehersteller senkt Gewinnprognose

Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag. Die Kosten durch den Ukrainekrieg sind hoch, SAP muss die Gewinnziele anpassen. Die Umstellung des Geschäftsmodells gelingt jedoch besser als erwartet.

Der Rückzug aus Russland und Belarus belastet den Softwarehersteller allerdings erheblich. Das Betriebsergebnis sank von Anfang April bis Ende Juni um 32 Prozent auf 637 Millionen Euro, hauptsächlich wegen Sondereffekten aus der Geschäftsaufgabe. „In diesem Quartal haben wir die größten Auswirkungen des Krieges in der Ukraine bereits erfasst“, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Fürs gesamte Jahr senkte der Dax-Konzern deswegen die Gewinnprognose: Die Spanne für das Betriebsergebnis liegt am mittleren Punkt um 250 Millionen Euro niedriger bei 7,75 Milliarden Euro. Neben dem Ukrainekrieg führte Mucic das starke Wachstum des Cloudgeschäfts an, das zulasten des Lizenzverkaufs geht – hier realisiert der Konzern die Profite direkt.

Die Aktionäre reagierten am Donnerstag auf die Senkung der Gewinnziele zunächst skeptisch. Der Kurs von SAP gab nach Handelsbeginn um mehr als zwei Prozent auf gut 88 Euro nach. Die Aktie ist damit fast auf dem Jahrestief.

Das zweite Quartal sei gut gewesen, betonte Vorstandssprecher Christian Klein, „trotz der herausfordernden geopolitischen und makroökonomischen Situation“. Die Umstellung des Geschäftsmodells gehe schneller voran als gedacht – die Clouddienste seien erstmals in einem Quartal die größte Umsatzquelle.

Zudem wuchs der Auftragsbestand deutlich. Das Current Cloud Backlog (CCB), das die vertraglich zugesicherten Erlöse der nächsten zwölf Monate beschreibt, wuchs um 34 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 25 Prozent.

SAP richtet das Geschäft seit einigen Jahren neu aus. Kunden sollen Software und andere Dienste gegen eine regelmäßige Gebühr abonnieren, passend zum Bedarf und ohne großen Aufwand bei der Installation. Seit Ausbruch der Coronapandemie ist die Nachfrage nach diesem Modell deutlich gestiegen.

Die Umstellung des Geschäftsmodells und die Belastung aus dem Russland-Rückzug gehen jedoch zulasten der Profitabilität – eine Entwicklung, die Aktionäre kritisch beäugen. Die bereinigte operative Marge (Non-IFRS), intern eine wichtige Steuerungsgröße, sank um 6,5 Prozentpunkte auf 22,4 Prozent.

Bei den Clouddiensten macht sich aber mittlerweile das Wachstum bezahlt, die Cloud-Bruttomarge stieg bereinigt um 1,8 Prozentpunkte, trotz der weiterhin hohen Investitionen. Die Wachstumsdynamik im Cloudportfolio deute auf die Möglichkeit hin, dass es mittelfristig ein positives Update gebe, sagte Finanzchef Mucic.

Die wirtschaftliche Unsicherheit sei eine Chance, betonte SAP-Chef Klein: „Wenn man auf andere Wirtschaftskrisen schaut: SAP war in solchen Momenten immer stark.“ Es gebe eine hohe Nachfrage nach Lösungen, um Geschäftsmodelle umzustellen, Prozesse zu automatisieren, Lieferketten stabiler zu machen und das Geschäft nachhaltiger zu gestalten – „darum sehen wir eine anhaltend hohe Nachfrage nach unseren Lösungen“.

SAP kündigte ein weiteres Aktienrückkaufprogramm an, dieses Mal im Wert von 500 Millionen Euro. Die Papiere werden für anteilsbasierte Vergütungsprogramme eingesetzt. Angesichts der Schwäche der Märkte handle es sich um „eine opportune Gelegenheit“, sagte Finanzchef Mucic.

SAP leidet unter der schwachen Entwicklung an den Börsen, die Technologieunternehmen besonders stark trifft. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast 28 Prozent an Wert verloren, am Donnerstag tendierte sie erneut negativ. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 112 Milliarden Euro zählt der Softwarehersteller nicht mehr zu den 100 wertvollsten Konzernen der Welt.

Analysten sehen in der SAP-Aktie aber Potenzial, gerade nach dem deutlichen Rückgang in den vergangenen Monaten. Mehrere Finanzexperten haben in den vergangenen Wochen zwar angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds die Bewertung nach unten angepasst, die meisten empfehlen den Dax-Konzern aber weiterhin zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 117 Euro.

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