So wird der Klimawandel den Sport verändern

Extreme Hitze im Sommer ist nur eine Folge des Klimawandels. Der Sportsoziologe Sven Schneider von der Uni Heidelberg spricht von sechs Risikobereichen - je drei direkte und indirekte Folgen des Klimawandels -, die einen negativen Einfluss auf den Sport haben werden:

    Darauf müsse sich der Sport der Zukunft einstellen. Geht es nach Schneider, sollten die Sportverbände jetzt schon Aktionspläne erstellen, um sich gegen die Folgen der Klimawandels zu wappnen.

    Die Anpassungen an die Hitze haben längst begonnen. Der Württembergische Fußballverband erlaubt den Vereinen, in der Hitzewelle die Regeln anzupassen: Trinkpausen während der Spiele und längere Pausen sollen die Kicker schützen. In Zukunft muss man aber auf allen Ebenen des Sports Anpassungen vornehmen.

    Mehr Pollen raubt Sportlern den Atem

    Schneider empfiehlt nach dem "TOP-Prinzip" vorzugehen. Das "T" steht für technische Anpassungen. Zum Beispiel sollten Sportstätten klimatechnisch saniert werden. Das "O" steht für organisatorische Anpassungen, das heißt: neue Regeln. Die Fußball-Verbände könnten beispielsweise Kopfbedeckungen erlauben oder es den Vereinen einfacher machen, Hitze-Spiele in die Abendstunden zu verlegen. Und das "P" steht für personenbezogene Anpassungen. Trainer müssen geschult werden und den Hitzeschutz organisieren. Sie müssen dafür sorgen, dass sich Athletinnen und Athleten zum Beispiel mit Sonnenmilch eincremen und genug trinken. Das wichtigste sei, alle Beteiligten für Schutzmaßnahmen zu sensibilisieren, meint Schneider.

    Der Klimawandel wird den Sport und wie er organisiert ist deutlich verändern. Die Verbände, so Schneider, müssen ähnlich wie die Kommunen Hitzeaktionspläne erstellen. "Man braucht einen Handlungsplan, wenn ein Unwetter droht oder es zu heiß wird." Auch Sportstätten und Sporthallen müssen an den Klimawandel angepasst werden, meint Schneider. "Trainer-und Spielerbänke sollten überdacht werden, um Schatten zu schaffen. Duschen muss man öffnen, Hallen energetisch sanieren. In Deutschland haben wir einen massiven Investitionsstau gerade bei Sportstätten und Sportplätzen."

    WHO sieht die Kinder als Risikogruppe für Klima-Schäden

    Das Wichtigste sei, Aufklärung zu betreiben und Trainer auszubilden, damit sie wissen, was sie bei 35 Grad im Schatten an Präventionsmaßnahmen ergreifen können. Langfristig müssen Aktionspläne erstellt werden, für Spieltage aber auch die ganze Saison. Was tut man zum Beispiel vor, während und nach einer Hitzewelle? Welche Maßnahmen werden ergriffen? Sport muss neu gedacht werden.

    Früher hat man es mit Verhaltensprävention versucht, man wollte den Menschen ändern. Mittlerweile befürwortet der Schneider die Verhältnisprävention. Das heißt, nicht der Sportler selbst ist die Zielgruppe, sondern die Rahmenbedingungen sollten verändert werden, damit möglichst alle Sportler davon profitieren. Bei einem Volkslauf könnten zum Beispiel alle Teilnehmer mit einem Hitze-Kit ausgerüstet werden: Sonnencreme, Hut, Wasser und Sonnenbrille, um sich schützen zu können. Der Klimawandel zwingt auch den Sport, sich anzupassen.