Jansen begrüßt Wüstefeld-Rücktritt: "Beste Entscheidung für den HSV" | NDR.de - Sport - Fußball

Aufsichtsrats-Chef Marcell Jansen hat den Rücktritt des Finanzvorstands und Aufsichtsrats-Mitglieds Thomas Wüstefeld beim Hamburger SV begrüßt. Jansen will auch erneut über das 120-Millionen-Euro-Angebot von Investor Klaus-Michael Kühne reden.

Wüstefeld hatte dem Aufsichtsrat seine Entscheidung am Mittwochabend bereits vor einer kurzfristig angesetzten Sitzung mitgeteilt. Gegen den 53-Jährigen wurden zuletzt immer mehr Vorwürfe wie Millionenforderungen gegen seine Firmen, Betrugsvorwürfe anderer Unternehmer oder Zweifel an seinen Doktor- und Professor-Titeln laut. Wüstefeld weist alles zurück.

In seiner Funktion als Finanzvorstand hatte er zuletzt versucht, die Stadt Hamburg als Bürgen für das Millionen-Darlehen des HSV-Hauptsponsors HanseMerkur für die dringend nötige Stadionsanierung im Hinblick auf die EM 2024 zu gewinnen und war gescheitert.

Sportvorstand Jonas Boldt soll vorerst als alleiniger Vorstand die operativen Geschäfte des HSV leiten, teilte der Club mit. mehr

Auch Jansen wehrte sich am Donnerstag gegen den Vorwurf, zu lange an dem Finanzvorstand festgehalten und eine zu große persönliche Nähe zu ihm gepflegt zu haben. "Erst mal ist es immer wichtig, dass ein Verein hinter seinen Leuten steht. Und dann gibt es immer auch eine Unschuldsvermutung", sagte der frühere Profi des HSV und des FC Bayern. Vorerst wird Sportchef Jonas Boldt als alleiniger Vorstand die HSV-Geschäfte leiten.

Ein Nachfolger für Wüstefeld soll erst während der WM-Pause im November und Dezember gesucht werden. Der Aufsichtsrats-Chef des HSV deutete auch an, die zahlreichen Vorwürfe gegen Wüstefeld nicht mehr weiter untersuchen zu wollen. Bei den vom "Hamburger Abendblatt" recherchierten Zweifeln an seinen akademischen Titeln habe Wüstefeld einzelnen Mitgliedern des Gremiums Unterlagen vorgelegt.

"Es haben Prüfungen stattgefunden von Leuten, die den Background dafür haben", sagte Jansen. "Das zu beurteilen wäre Aufgabe des Aufsichtsrats gewesen. Aber dazu ist es nicht mehr gekommen." Wüstefeld sei dem "mit seinem Rücktritt zuvorgekommen".

Der klamme Zweitligaclub sucht nach einem Bürgen für die Stadionsanierung. Die Stadt verweist auf private Akteure. Wird es wieder Klaus-Michael Kühne? mehr

Laut Satzung darf der HSV allerdings nicht mehr als die fast komplett veräußerten 24,9 Prozent AG-Anteile vergeben. Trotz dieses Schrittes ist Wüstefeld bei dem Traditionsclub noch nicht Geschichte. Der 53-Jährige ist mit 5,11 Prozent Aktienanteilen Gesellschafter der HSV Fußball AG.

Die Anteile hatte Wüstefeld Kühne abgekauft, sieht sich von dem Logistik-Unternehmer allerdings getäuscht und würde gerne den Preis nachverhandeln. Beide Parteien liegen im Clinch. Es ist kein Geheimnis, dass Kühne ebenso wie Boldt kein Freund Wüstefelds ist.

Auch nach dem Rücktritt von Finanzvorstand Thomas Wüstefeld kehrt keine Ruhe beim Hamburger SV ein. Mittendrin im Chaos: Präsident Marcell Jansen. 3 Min

Statt der dringend nötigen Bürgschaft bekam HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld bei der Stadt eine kräftige Abfuhr - völlig zu Recht, meint Reporter Lars Pegelow. mehr

Der HSV bot eine Abfindung in Höhe von 100.000 Euro. Dies lehnte der 43-Jährige ab, sodass es wohl einen weiteren Termin vor Gericht gibt. mehr

Die Hanseaten, die zuvor viermal in Folge verloren hatten, fügten den "Wölfen" die erste Niederlage nach zehn Spielen zu. mehr