Herbst und Winter: „Es kehren Erreger zurück, die zuvor zurückgedrängt waren“

Der Mainzer Virologe Bodo Plachter rechnet damit, dass sich im Herbst und Winter neben Corona andere Infektionskrankheiten der Atemwege ausbreiten werden. „Es kehren Erreger zurück, die zuvor wegen der Corona-Beschränkungen – etwa Maskenpflicht und Abstand halten – zurückgedrängt waren“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie der Unimedizin Mainz.

Durch den verminderten Kontakt wegen der Corona-Beschränkungen sei das Immunsystem vieler Menschen weniger trainiert worden. „Möglicherweise wird das Krankheitsgeschehen durch die Rückkehr anderer Erreger – Influenza beispielsweise – sogar noch etwas heftiger als in den Wintern vor Corona“, warnte Plachter.

„Deswegen ist es wichtig, bei Erwachsenen für die Influenza-Impfung im Herbst und Winter zu werben, auch um das Gesundheitssystem zu entlasten.“ Ähnliches gelte bei älteren Menschen auch für die Pneumokokken-Impfung.

Lauterbach will Viertimpfungs-Empfehlungen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich für „klare Empfehlungen“ auch für Menschen unter 60 oder 70 Jahren ausgesprochen, ob und in welchen Fällen eine vierte Corona-Impfung ratsam ist. „Natürlich wollen auch die Jüngeren wissen, was sie denn nun machen sollen. Wir brauchen jetzt klare Empfehlungen für alle Altersgruppen“, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

„Wir sollten nicht nur sagen, was die über 70-Jährigen machen sollen“, erläuterte Lauterbach. „Wir müssen auch eine Antwort für den 40-Jährigen haben. Sollte er sich auf keinen Fall impfen lassen? Oder nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei sehr vielen Kontakten am Arbeitsplatz? Oder nur, wenn der Hausarzt das empfiehlt? Man braucht für jedes Alter eine Botschaft.“ Spätestens, wenn die neuen an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe da seien, „sollte es klare Ansagen auch für die unter 60-Jährigen geben“.