Affenpocken: Wie gefährlich ist das Virus?

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In Europa und vielen anderen Ländern der Welt breiten sich derzeit die Affenpocken (Mpox) aus. Anfang Mai hatte die UK Health Security Agency (UKHSA), also die englische Gesundheitsbehörde, den ersten Fall von Affenpocken registriert. Die erkrankte Person soll sich in Nigeria angesteckt haben und anschließend nach Großbritannien gereist sein. Nur wenige Tage später wurden weitere Fälle bekannt – zuerst in England, dann auch in anderen Ländern auf verschiedenen Kontinenten sowie in Deutschland. Was ist das für ein Virus und wie gefährlich ist die Erkrankung? Welche Symptome treten auf und wie erfolgt die Ansteckung? Infos zu dem Virus, der Impfung sowie eine Übersicht der Fallzahlen in Deutschland und anderen Ländern finden Sie hier.

Bei Affenpocken handelt es sich um eine sehr seltene, pockenähnliche Erkrankung, die durch Viren verursacht wird. Der Erreger wird als Monkeypox-Virus (MPXV) oder Affenpockenvirus (Orthopoxvirus simiae) bezeichnet und kommt vor allem in West- und Zentralafrika vor. Das Virus ist eng verwandt mit dem Variola-Virus, dem Erreger der Pocken.

Entdeckt wurde das Virus im Jahr 1958 bei Affen – daher der Name. 1970 wurde eine Infektion mit dem Erreger erstmals bei Menschen nachgewiesen. Um Missverständnisse oder eine Stigmatisierung zu vermeiden, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen, der Erkrankung und ihren Virusvarianten einen neuen Namen zu geben. Diese Bezeichnung lautet Mpox.

Im Gegensatz zu Pocken verläuft eine Infektion mit Affenpocken deutlich seltener tödlich. Die Sterblichkeit wird (je nach Quelle und Virusvariante) mit ein bis elf Prozent angegeben. Die WHO spricht von drei bis sechs Prozent, wobei die realen Zahlen aufgrund der schlechteren Diagnosemöglichkeiten in den üblicherweise betroffenen Regionen vermutlich niedriger liegen. Besonders Kinder und Menschen mit Immunschwäche sind gefährdet, an der Infektion zu versterben.

Bei Schwangeren kann die Erkrankung zu Komplikationen oder Fehlgeburten führen. Es besteht zudem das Risiko von Binde- oder Hornhautentzündungen bis hin zur Erblindung. Weitere mögliche Komplikationen sind Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen oder bakterielle Hautinfektionen. Darüber hinaus können nach Abheilung des Hautausschlags Narben zurückbleiben.

Beim aktuellen Ausbruch soll es sich um die westafrikanische Variante handeln, die milder verläuft als die zentralafrikanische und auch weniger ansteckend ist. Daher erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer. Dennoch wurden bereits einige Todesfälle registriert – in Europa traten die ersten Todesfälle in Spanien auf.

In den meisten Fällen verursacht die Krankheit nur milde Symptome, mitunter können die Fälle sogar unentdeckt bleiben. Allerdings sind auch schwere Verläufe möglich.

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Symptome, beträgt meist fünf bis 13 Tage, maximal drei Wochen. Selten wurden auch Inkubationszeiten von zwei bis vier Tagen beobachtet.

Dieser Hautausschlag verändert sich im Verlauf der Erkrankung – von Flecken über Papeln bis zu Pusteln – und verschorft, bevor die Krusten schließlich abfallen und (gegebenenfalls unter Narbenbildung) abheilen. Die Läsionen können jucken oder sehr schmerzhaft sein. Ein erster Fallbericht deutet zudem darauf hin, dass Hautbläschen im Mundwinkel (Mundwinkelulkulus) auch ein erstes Frühzeichen einer Infektion darstellen könnten.

Meist heilt die Erkrankung auch ohne Behandlung innerhalb von zwei bis vier Wochen folgenlos aus. Eine spezifische Behandlung existiert derzeit nicht. Im Zentrum der Therapie stehen daher meist die Behandlung der Symptome sowie das Verhindern einer zusätzlichen bakteriellen Infektion, in deren Folge es beispielsweise zu einer Lungen- oder Hirnhautentzündung kommen kann.

Eine frühzeitige Impfung gegen Pocken oder die Gabe von Antikörperpräparaten kann jedoch helfen, den Verlauf abzumildern. In der Europäischen Union ist seit Januar 2022 zudem der antivirale Wirkstoff Tecovirimat zur Therapie zugelassen.

Die Übertragung ist aber auch über Gegenstände möglich, beispielsweise über gemeinsam benutze Handtücher, die mit den Körperflüssigkeiten in Kontakt kamen. Das Virus kann auf Oberflächen nach Angabe des Robert Koch-Instituts (RKI) Tage bis Monate überleben.

Infizierte sollen sich in Deutschland für mindestens 21 Tage in Isolation begeben. Diese kann nur beendet werden, wenn die Symptome ausgeheilt sind. Auch Kontaktpersonen von Infizierten wird eine entsprechende Quarantäne empfohlen.

Infizierte sollten sich sicherheitshalber auch von ihren Haustieren fernhalten, um diese nicht anzustecken, warnen die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und das Friedrich-Loeffler-Institut. Einen entsprechenden Fall hat es bereits in Paris mit einem infizierten Hund gegeben. Wichtig ist auch, dass Infizierte den Haushaltsabfall vor Nagern und anderen Tieren schützen. Diese Vorsichtsmaßnahme soll verhindern, dass das Virus auf Tiere überspringt und sich anschließend in hiesigen Populationen verbreitet, um hier endemisch zu werden.

Grundsätzlich kann man sein persönliches Ansteckungsrisiko senken, indem man die Zahl der Sexualpartner*innen möglichst gering hält. Kondome schützen nur bedingt vor einer Ansteckung, da die Übertragung auch über Hautkontakt stattfinden kann. Es wird jedoch empfohlen, noch acht Wochen nach der Heilung Kondome zu verwenden, da der Erreger so lange noch in der Samenflüssigkeit vorhanden sein könnte.

Nicht vollständig geklärt ist nach Angabe der WHO, ob eine durchgemachte Infektion eine lebenslange Immunität zur Folge hat. In Afrika gab es offenbar Fälle, in denen Menschen sich nach der Genesung erneut mit Affenpocken infiziert hatten.

Bislang wurden laut der US-Seuchenschutzbehörde CDC weltweit 80.215 Affenpocken-Infektionen (Stand: 29.11.2022) in zuvor kaum betroffenen Ländern gemeldet – täglich werden neue Fälle bekannt. Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Ausbruch bereits Mitte April begonnen haben könnte und zunächst unbemerkt blieb.

Der erste Fall wurde in Großbritannien erfasst: Am 7. Mai meldete die britische Gesundheitsbehörde die Infektion eines Wissenschaftlers, der zuvor von einer Reise aus Nigeria zurückgekehrt war. Kurz darauf wurden zwei weitere Fälle bekannt – beide Angehörige eines Haushalts – die sich unabhängig von der ersten Person infiziert haben sollen. Bald traten weitere Fälle auf – fast alle hatten sich in London angesteckt. Betroffene Personen wurden isoliert, Kontaktpersonen in allen Fällen informiert. Die WHO betonte die Wichtigkeit der genauen Kontaktverfolgung, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Bald meldeten auch die Behörden anderer Länder in Europa und auf anderen Kontinenten Fälle von Infektionen mit Affenpocken. In Deutschland wurde die erste Infektion bei einem Mann nachgewiesen, der zuvor von Portugal über Spanien eingereist war. Seitdem wurden immer mehr Fälle nachgewiesen – mittlerweile in allen Bundesländern. Bislang sind in Deutschland 3.672 Fälle registriert worden (Stand: 22.11.2022).

Da es sich bei vielen der Infizierten um Männer handelt, die zuvor sexuellen Kontakt mit anderen Männern hatten (MSM), werden insbesondere bi- und homosexuelle Männer mit wechselnden Sexualpartnern aufgefordert, auf ungewöhnliche Ausschläge an ihrem Körper zu achten. Auch Menschen, die von Auslandsreisen zurückkehren, sollten besonders sensibilisiert für mögliche Symptome sein. Grundsätzlich kann die Infektion aber alle Menschen betreffen – die sexuelle Orientierung spielt dabei keinerlei Rolle.

Affenpocken sind nicht so ansteckend wie beispielsweise die Pocken oder COVID-19. Nur bei engem Kontakt können symptomatische Infizierte die Erkrankung übertragen. Bei früheren Fällen wurde beobachtet, dass Infektionsketten von Mensch zu Mensch begrenzt waren. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung wird daher von Fachleuten derzeit als gering eingeschätzt.

Auch in der Vergangenheit hatte es bereits einzelne Fälle von Affenpocken gegeben, ohne dass es zu einer größeren Epidemie gekommen wäre. Seit 2017 werden in Nigeria vermehrt Fälle von Affenpocken-Infektionen bei Menschen gemeldet. Nach Angaben der WHO gab es in Afrika allein in diesem Jahr mehr als 1.400 Infektionsfälle, 72 verliefen tödlich. Mehrfach traten auch vereinzelte Fälle außerhalb von Afrika auf, bislang aber nicht in Deutschland.

Fachleute hoffen den Ausbruch der Erkrankung durch Impfungen und Kontaktnachverfolgung eindämmen zu können. Dennoch warnt die WHO, dass insbesondere Festivals und große Feiern im Sommer zur Verbreitung der Erkrankung beitragen könnten. Am 23. Juli 2022 entschied die WHO, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen, da sich das Virus immer weiter ausbreitet. Auch in den USA wurde mittlerweile der Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Wer noch gegen Pocken geimpft wurde, gilt auch als vor Affenpocken geschützt – die WHO meldet diesbezüglich eine Wirksamkeit von 85 Prozent. Allerdings lässt der weltweite Impfschutz gegen Pocken in der Bevölkerung nach, da die Erkrankung seit 1980 als ausgerottet gilt und die Impfkampagne daher beendet wurde.

Einen Schutz kann eine Weiterentwicklung des Pocken-Impfstoffes mit dem Namen Imvanex® von Bavarian Nordic (in den USA unter dem Namen Jynneos® bekannt) bieten. Dieses Vakzin ist seit 2013 in der EU als Impfstoff gegen Pocken zugelassen. Eine offizielle Erweiterung der Zulassung als Impfstoff gegen Affenpocken in der EU wurde am 25. Juli 2022 durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bestätigt.

Es werden zwei Impfdosen im Abstand von mindestens 28 Tagen empfohlen. Als Wiederauffrischung der Pockenimpfung wird eine einmalige Gabe als ausreichend erachtet. Laut Aussagen der britischen Gesundheitsbehörde im November 2022 bietet bereits die erste Impfstoffdosis mit einer Wirksamkeit von etwa 78 Prozent einen starken Schutz.

Um die verfügbaren Impfstoffmengen besser nutzen und auf mehr Menschen aufteilen zu können, genehmigte die EMA am 19. August vorübergehend ein neues Impfverfahren, bei dem das Vakzin nicht wie bislang vollständig unter die Haut (subkutan), sondern nur unter die oberste Hautschicht (intradermal) verabreicht wird. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass nur ein Fünftel der Impfstoffmenge benötigt wird, sodass insgesamt fünfmal so viele Menschen mit den vorhandenen Dosen geimpft werden können. Die Wirksamkeit dieses Verfahrens wurde im Jahr 2015 in einer Studie belegt.

Am 9. Juni sprach die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Empfehlung für bestimmte Risikogruppen (ab 18 Jahren) aus:

Da bislang nur eingeschränkte Mengen des Impfstoffs verfügbar sind, empfiehlt das RKI, zunächst möglichst vielen Menschen eine Erstimpfung zur Verfügung zu stellen und die zweite Impfdosis zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, da diese vor allem benötigt wird, um den Impfschutz für eine längere Dauer aufrecht zu erhalten.

ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.