Wie ein Festival in Karlsruhe zehn Wochen lang Kunst und Wissenschaft verbinden will

Wie ein Festival in Karlsruhe zehn Wochen lang Kunst und Wissenschaft verbinden will

Ein Ausstellungsraum mit Podiumsdiskussionen und Aussichtsterrasse am Rheinhafen Karlsruhe – gibt’s das? Vorübergehend schon: Für zehn Wochen öffnet dort der ehrenamtlich organisierte „WERKstattPALAST“.

Konsum- und Strukturkritik kann auch ein Ohrwurm sein. Zum Beispiel bei der Band Wir Sind Helden. Die fragte auf ihrem Debütalbum vor 20 Jahren: „Ist das so? Oder geht es vielleicht viel leichter?“

Eine Frage, die immer noch der Antwort harrt. Wahrscheinlich, weil sie zwar eingängig ist, aber auch unkonkret: Was genau soll denn auf welche Weise leichter gehen?

Es fehlt also offenbar nicht an der Antwort, sondern an konkreten Fragen. Diese Lücke will nun eine Initiative in Karlsruhe füllen, die unterschiedlichste Kompetenzen an einen Tisch bringt und der Stadt damit gleich noch ein neues Sommerfestival beschert.

Ein Festival mit Kunst, Debatten und Musik, das mit enorm viel Eigeninitiative auf die Beine gestellt wird und zudem einen besonderen urbanen Ort für mehr Publikum erschließen könnte: den Rheinhafen.

Dort ist in den vergangenen Wochen ein neuer temporärer Bau entstanden. Auf der Festwiese bei der Anlegestelle der MS Karlsruhe steht nun ein Palast. Die Bezeichnung mag für eine Konstruktion aus Gerüst und Container etwas hochtrabend wirken.

Freilich wird sie schon im Gesamttitel des Projektes ironisch ausgehebelt: „WERKstattPALAST“ schreibt sich das neue Festival selber. Und gemeint ist damit zum einen der Ort als Palast für Werkstatt-Schaffen. Und zum anderen die Grundhaltung, ans Werk zu gehen statt in einem Palast zu sitzen.

Ans Werk gehen bedeutet hier zunächst einmal: reden, zuhören, austauschen. „Überall ist die Rede von Strukturwandel“, sagt die Projektleiterin Norina Quinte. „Aber um hier ins Gespräch zu kommen, muss man doch erst einmal miteinander klären, was jeder einzelne unter ,Struktur’ versteht“, so die Kunstmanagerin. Deshalb suche man im „Werkstattpalast“ nicht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern nach möglichst vielen Perspektiven.

Offenbar mit Erfolg: „Uns erreichen so viele Vorschläge, dass wir das Programm auch vier Mal so umfangreich machen könnten“, sagt David Seiler vom Innovation Hub Prävention im Bauwesen. Diese am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelte Ideen- und Kommunikationsplattform beschäftigt sich mit Strategien für nachhaltige Infrastruktur.

Der perfekte Projektpartner für Quintes Impuls, bestehende Strukturen zu hinterfragen, wie sie es schon als Gründerin des Vereins „die anstoß“ und der Kunstplattform „ato“ getan hat.

Diese Verbindung soll denn auch der besondere Dreh beim „WerkstattPalast“ sein. Oberflächlich betrachtet wirkt das Konzept nicht besonders spektakulär: Es gibt Ausstellungen, Diskussionen und Vorträge, aufgelockert mit Performances und Musik. Das Besondere aber ist die Einladung zum fachübergreifenden Austausch.

Ziel sei es, möglichst viele Kompetenzen an einen Tisch zu bekommen, so Quinte. Durchaus im wörtlichen Sinn: Jeweils donnerstags sind Diskussionsrunden angesetzt, bei denen die Experten nicht entrückt auf einem Podium sitzen, sondern an einer 20 Meter langen Tafel, an der über 80 Menschen Platz nehmen können. Um zuzuhören, aber auch um mitzureden und gehört zu werden.

Das Prinzip, möglichst viel Expertise einzubinden, scheint schon in der Vorbereitung aufzugehen. Jedenfalls berichten Quinte und Seiler, durch die monatelange Vorbereitung mit Planung und Aufbau mittlerweile auch mit vielen Betrieben im Rheinhafen gut vernetzt zu sein und viel Unterstützung zu erfahren. „Ich habe das Gefühl, dieses Miteinander-Gefühl ist ansteckend“, lacht Seiler.

Das täte auch in finanzieller Hinsicht not. Denn zum Ansatz, althergebrachte Strukturen neu zu denken und Kommunikation zu pflegen, gehört hier auch das Offenlegen der Finanzierungsstruktur. Das 20-seitige Programmheft informiert nicht nur über Veranstaltungsdaten und Gäste, sondern auch darüber, inwieweit die Finanzierung gedeckt ist.

Hierbei wird offengelegt, dass vom großen Kostenfaktor der Sachmittel zwar schon 93 Prozent gesichert sind, vom vergleichsweise kleinen Kuchenstück der Honorare für Künstlerinnen und Künstler (zwölf Prozent vom Gesamtetat) aber noch nicht einmal ein Drittel. „So sieht es oft aus bei Projekten, aber niemand redet gerne drüber“, sagt Quinte.

Auch um dies zu ändern, geht der Palast an den Start. Seiler sagt: „Eine Veränderung kann nur entstehen, wenn es ein Bewusstsein dafür gibt, dass ein Wandel notwendig ist.“

„WERKstattPALAST“ am Rheinhafen, Festwiese an der Anlegestelle der MS Karlsruhe. Eröffnung am Samstag, 13. August, ab 11 Uhr. Bis 15. Oktober regelmäßig von Donnerstag bis Sonntag Programm. Infos unter www.werkstattpalast.de